Zerlegen von Batterien: Baudenbacher Firma probt Verfahren

NEUSTADT/AISCH - Auf Basis der selektiven, mechanischen Zerkleinerungstechnologie der Adensis GmbH wird ein Prozess zur Aufbereitung von Produktionsabfällen aus der Li-Ionen Batteriezellenfertigung entwickelt und anschließend bei der Lars Walch GmbH & Co. KG im Baudenbacher Recyclingbetrieb erprobt. Der Baudenbacher Unternehmer Matthias Walch (5. v. l.) hatte die Expertengruppe für die Aufbereitung von Produktionsabfällen aus der Li-Ionen Batteriezellenfertigung zu Gast. In einem Symposium wurde das Verfahren erörtert.

 

Das Projekt "LiBat-Rückgewinnung - Aufbereitung von Produktionsabfällen und kompletten Li-Ionen Batteriezellen zur Rückgewinnung und Wiederverwertung des Aktivmaterials" ist nach Auskunft von Mattthias Walch eines von rund 40 Projekten im Schaufenster Bayern-Sachsen “Elektromobilität verbindet” und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Rahmen der Schaufensterinitiative der Bundesregierung gefördert.

Die MAB Radebeul GmbH unterstützt die komplexen Fertigungsprozesse und deren Optimierung. An der Technischen Universität Bergakademie Freiberg wird die, dem Recycling nachgelagerte, Materialseparierung untersucht. Die Untersuchungen zur chemischen Charakterisierung und Prozessanalytik erfolgen an der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus-Senftenberg.

Der Aufbereitungsprozess startet

Das recycelte Aktivmaterial wird am Fraunhofer IKTS in Dresden elektrochemisch charakterisiert und auf seine Wiedereinsetzbarkeit geprüft. Im zweiten Teil des Projektes soll der funktionelle Recyclingansatz auf komplette End-of-Life-Batteriezellen ausgedehnt werden. In diesem Themenkomplex liegt das Hauptaugenmerk auf der Verfahrensentwicklung zum sicheren Öffnen und Zerlegen von Li-Ionen Batteriezellen.

Jetzt kamen zum Start des Aufbreitungsprozesses in einer eigens dafür entwickelten Anlage alle am Verfahren Beteiligten zu einem Symposium  im Baudenbacher Unternehmen Walch zusammen.

Stetig entstehen Produktionsabfälle

Durch den zunehmenden Marktanteil von Elektrofahrzeugen steigt auch der Bedarf an entsprechenden Batteriesystemen und damit der Ausbau der Produktionskapazitäten bei der Aktivmaterial- beziehungweise Zellfertigung. Aufgrund von technologiebedingtem Verschnitt entstehen bei der Herstellung von Kathodenfolien für Li-Ionen-Batteriezellen stetig Produktionsabfälle.

Im Vergleich zu kompletten Batteriesystemen, wo mit signifikante Rücklaufmengen erst in acht bis zehn Jahren gerechnet wird, besteht somit bei der Zellfertigung ein aktueller Bedarf an effizienten Recyclinglösungen. Aus diesem Grund wird der Hauptfokus in diesem Verbundprojekt bewusst auf die anfallenden Produktionsabfälle, v.a. kobalthaltige Kathodenmaterialien, von Li-Ionen-Batterien gelegt.

Aktuelle Recyclingansätze verfolgen den Ansatz der stofflichen Verwertung, also lediglich der Rückgewinnung der Metalle wie z.B. Kobalt, Nickel oder Mangan. Ein in diesem Vorhaben angestrebtes funktionelles Recycling in Form der direkten Wiederverwertung der Aktivmaterialien und deren Rückspeisung in die Zellfertigung findet bisher weder für Ausschussmaterialien noch für komplette Batteriezellen im industriellen Maßstab statt.

Harald J. Munzinger Quelle: Nürnberger Nachrichten